Voll leuchtender Farben
und fließender Formen

Hedy Schmeckenbecher-Grein stellt in den Stadtwerken aus

Er habe sich auf eine ruhige Vernissage in „seinen" Räumen eingestellt, sei aber dann doch ganz schön ins Schwitzen geraten: Siegfried Ferling, der als Werksleiter der Stadtwerke Hockenheim sozusagen Gastgeber der aktuellen Ausstellung von Hedy Schmeckenbecher-Grein ist, gestand, mit diesem Ansturm nicht gerechnet zu haben. „Uns sind die Gläser ausgegangen", bedauerte er.

Doch die zahlreichen Besucher, die sich im engen Flur und den Büros in der Oberen Hauptstraße 8 drängten, nahmen's mit Humor. Waren Sekt und Knabbereien ohnehin nur nette Begleiterscheinung. Denn gekommen waren die Kunstliebhaber wegen Hedy Schmeckenbecher-Grein. Die Hockenheimerin hat sich nämlich in den fast 20 Jahren ihres künstlerischen Schaffens mittlerweile eine große Fangemeinde „ermalt", und so kamen die Gäste zahlreich, um ein Weihnachtspräsent für besonders liebe Verwandte oder Freunde auszusuchen oder sich selbst zu beschenken.

„Leuchtende Farben, fließende Formen" lautet der Titel der Ausstellung, und die 56-Jährige präsentiert mit den 33 Bildern, die allesamt käuflich zu erwerben sind, das ganze Spektrum ihres Könnens. Er empfinde es als wohltuend, freute sich Ferling, dass er im oft Kräfte zehrenden Arbeitsleben ab und zu die Ruhe und die Farben der Bilder aufsaugen könne. „Für mich als Ingenieur ist die Art von Malerinnen wie Hedy Schmeckenbecher-Grein, die Dinge zu betrachten, erfrischend. Sie ist eine außergewöhnliche Frau, die mit Wasser und Farbe Aquarelle wie kaum eine andere aufs Papier und auf die Leinwand bringt", zeigte sich der bekennende „Zahlenmensch" Ferling begeistert und lud die Gäste zu einem kleinen Rundgang ein: „Vergessen Sie den Alltag und tauchen Sie in die Gedankenwelt der Künstlerin ein." Bevorzugtes Motiv der Malerin sind Blumen, vor allem Sonnenblumen, und somit erübrigt sich auch die Frage nach ihrer Lieblingsfarbe.

Die Aquarelle, von denen sie sagt, sie seien ihre Berufung, zeugen zumeist von ihrer positiven und lebensbejahenden Einstellung, ebenso die Titel wie „Farbenrausch" oder „Mohnblumenfeld" beispielsweise. „Pflanzen darzustellen liegt mir eben, dabei kann ich wunderbar abschalten", sagt sie. „Ich drücke in meinen Bildern aus, was ich gerade fühle. " So gibt es auch - man mag es kaum glauben, wenn man sie sieht - Werke in Schwarz, „aber die hängen bei mir im Keller", lacht das Energiebündel. Hedy Schmeckenbecher-Grein hat bei verschiedenen Lehrern Unterricht genommen, am meisten wurde sie jedoch von Hugo Boiselle aus Oggersheim geprägt. Der 80-Jährige konnte leider aus gesundheitlichen Gründen nicht nach Hockenheim kommen. Im Laufe der Jahre entwickelte sie dann ihren ganz eigenen Stil, weg von gewöhnlicher Aquarellmalerei. Charakteristisch für ihre Bilder ist der großzügige Umgang mit kräftigen Farben, die die Spontaneität der Pinselakrobatin erahnen lassen. Sie scheut sich nicht, Acryl- und Aquarellfarben zu mischen -und das Ergebnis gibt ihr Recht. Verschiedene Farbschichten, transparent übereinander aufgetragen, vereinigen sich zu immer neuen Farbtönen. So entdeckt sie auch immer wieder andere Themen: Segelschiffe, Dörfer in der Pfalz und in Portugal, ein Schwarzwaldhaus, aber auch ein Industriehafen mogelt sich dazwischen.

Seit einiger Zeit hat Hedy Schmeckenbecher-Grein die Monotypie entdeckt. „Wenn man 20 Jahre immer den gleichen Stil malt, sehr gerne zwar, dann sind die Themen irgendwann auch erschöpft", weiß sie. „Es ist wieder einmal eine neue Herausforderung für mich zu experimentieren." Monotypie ist ein im 17. Jahrhundert erfundenes Verfahren. Statt auf Papier oder Leinwand wird auf Platten gemalt und, solange die Farbe noch feucht ist, mittels Presse oder Handabreibung auf das Papier gedruckt. Die Monotypie („ein einziges Bild") ist somit eindeutig ein Original und kann nicht der herkömmlichen Druckgrafik zugerechnet werden, da das Hauptmerkmal der Druckgrafik, die Herstellung beliebig vieler (nahezu) identischer Abbildungen, nicht gegeben ist. Die Monotypie ist eine Verbindung von Malerei, Zeichnung und Grafik. Hedy Schmeckenbecher-Grein wird also auch bei ihren zukünftigen Ausstellungen, bei denen sie natürlich die Aquarelle nie ganz außer Acht lässt, immer für positive Überraschungen sorgen. az
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